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Chronik der Schule
11.04.1923 Genehmigung zur Errichtung einer paritätischen höheren Mädchenschule
20.06.1923 Beginn des Unterrichts mit 20 Kindern; Leiterin: Maria Kellermann
30.09.1925 Übernahme der Schule durch die Schwestern vom armen Kinde Jesus; Leiterin: Schwester Constantina
01.09.1936 neue Schulleiterin: Schwester Gertrudis Maria
18.04.1939 Verfügung über die Schließung der Schule zum Ende des Schuljahres 1938/39
15.10.1945 Genehmigung zur Wiedereröffnung einer Höheren Mädchenschule mit 70 Schülerinnen; Schulleiterin: Schwester Mechtild Haug
01.04.1947 Genehmigung als Zubringerschule zur Städtischen Helene-Lange- Schule (VI-OIII)
12.03.1949 Umwandlung der Schule in ein Lyzeum
Sept. 1951 Umwandlung des Lyzeums in die Unter- und Mittelstufe der Frauenoberschule
1955-1956 Erstellung eines Neubaus mit 7 Klassen- und 5 Fachräumen
Genehmigung für das Neusprachliche Gymnasium und die Frauenoberschule i.E.
1956-1958 Neubau (2. Abschnitt): 8 Klassenräume sowie Lehrer- und Verwaltungsräume
1958-1960 Bau der Turnhalle mit Nebenräumen
01.03.1960 1. Reifeprüfung von 14 Schülerinnen; Anerkennung als Vollanstalt
1976-1977 Erstellung des Erweiterungsbaues
1977 Monika Sölch löst Schwester Mechtild in der Schulleitung ab
1979 Verabschiedung der letzten Schwestern an der Schule; neuer Schulträger ist das Erzbistum Köln - offizielle Schulbezeichnung: "Suitbertus-Gymnasium in Düsseldorf-Kaiserswerth, staatlich genehmigtes privates Mädchengymnasium des Erzbistums Köln, Sekundarstufe I und II"
1983 Einführung der Koedukation; Renovierung des Nordtraktes;
Oberstufenunterricht z.T. in der alten Grundschule am Stiftsplatz
1985 Umzug von Verwaltungsräumen, Lehrerzimmer und Kursräumen in das vollständig renovierte und umgestaltete Klostergebäude
1986 Renovierung des Mitteltrakts und Umgestaltung des Schulhofes
1987 Einweihung der neuen Mehrzweckhalle
90er Jahre Einrichtung neuer Fachräume für Geographie, Informatik, Religion, Chemie
1998 75jähriges Schuljubiläum: an der Schule sind derzeit ca. 1.100 Schülerinnen und Schüler sowie ca. 70 Lehrer/innen
Juni 1998 Verabschiedung von OStD Monika Sölch
1.08.1998 Dienstantritt des neuen Schulleiters Michael Schmelter
Neuer Schulseesorger: Helmut A. Schüller
2000 Dr. Tenhaken übernimmt die Schulleitung
2008, Juni Verabschiedung von Schulseelsorger Helmut A. Schüller
2009, 1. Feb. Claudia Haupt übernimmt die Schulleitung
Pfarrer Wirthmüller ist neuer Schulseelsorger
Das Leben des Hl. Suitbertus
Um 647 Geburt als Swithbert, Graf von Nottingham; später: Ausbildung durch Bischof Egbert in einem irischen Benediktinerkloster
Um 690 Anlandung in Westfriesland zusammen mit elf weiteren Missionaren unter Anführung der hll. Willibrord und Willeicus; bald: kurzzeitige Rückkehr nach England: Weihe zum Regionalbischof durch Wilfried von York - wieder zurückgekehrt: mühsame Bekehrung der Brukterer
694 Gefangennahme und grausame Behandlung durch einfallende Sachsen
698 Flucht an den fränkischen Königshof Rhinhusen von Pippin dem Mittleren und seiner Gemahlin Plektrudis auf der Rheininsel "am Ufer"
710 Errichtung eines Benediktinerklosters auf dem Werth; Einsatz für Kolonisierung und Christianisierung der rechtsrheinischen Germanen
713 Tod Swidberts; Begräbnis in seiner Kirche St. Petrus
796/804 Heiligsprechung
1264 Umbettung der Reliquien in den kostbaren Schrein der romanischen Basilika
Die Geschichte der Schule
  • Schulgeschichte
  • Suitbertus
  • Kaiserswerth

Dieser Artikel enthält folgende Kapitel:
Allgemeines | Anfänge der Schule

image2Allgemeines

Die Geschichte der Schule umfasst einen Zeitraum von gut 75 Jahren und ist damit relativ kurz. Viele Schulen - auch in Düsseldorf - können auf eine wesentlich längere und ehrwürdigere Vergangenheit zurückblicken. 
Aber dennoch: die Geschichte unserer Schule ist durchaus respektabel. Ihre Entwicklung war rasant und ließ binnen weniger Jahrzehnte eine kleine Zubringerschule in der damals noch selbständigen Stadt Kaiserswerth (mit einer Klasse und zwei Unterrichtsräumen)  zu einem bedeutenden Gymnasium in Düsseldorf mit großer Anziehungskraft auf das Umland werden.
Dazu hat sich die Entwicklung unserer Schule auf dem Hintergrund einer sehr ereignisreichen Zeit abgespielt:

  • gegründet 1923 in der ersten deutschen Demokratie, der Weimarer Republik, - im Jahr des Ruhrkampfes, der Hyperinflation mit anschließender Währungsreform, des Hitlerputsches in München und kommunistischer und separatistischer Aufstände,
  • zwangsweise von den Nationalsozialisten geschlossen im Jahr 1939 - wenige Wochen vor dem Beginn des Zweiten Weltkrieges,
  • wieder begründet in der unmittelbaren Nachkriegszeit im Jahr 1945 mit Genehmigung der britischen Besatzungsmacht,
  • vergrößert und zum vollwertigen Gymnasium ausgebaut in den 50er und 60er Jahren,
  • zu einem der großen Gymnasien in Düsseldorf entwickelt in den 80er und 90er Jahren - mit heute ca. 1150 Schüler/innen und ca. 75 Lehrer/innen.

 

Anfänge der Schule

imageDie Anfänge der Schule gehen zurück in das Jahr 1923. Damals bemühten sich Kaiserswerther Bürger um eine weiterführende Mädchenschule in ihrem Ort, damit den Schülerinnen der weite Weg bis in die Nachbarstadt Düsseldorf erspart bliebe.
Mit tatkräftiger Unterstützung durch den Kaiserswerther Pastor Zitzen gelang es, die Genehmigung zur Errichtung einer höheren Mädchenschule zu erhalten. Im Sommer 1923 konnten 20 Schülerinnen und 5 Schüler in ihre "neue Schule" einziehen. Diese Schule bestand aus zwei angemieteten Räumen in der Gärtnerinnen-Schule an der Ausfallstraße von Kaiserswerth nach Düsseldorf, die damals noch den Namen "Düsseldorferstraße" trug und heute "An St. Swidbert" heißt.

Die Gärtnerinnenschule hatte sich erst 1913 an diesem Ort etabliert, nachdem durch regen Zulauf das bisherige Gebäude unweit dieser Stelle zu klein geworden war. Die Träger dieser Schule hatten das damals ungenutzt verfallende ehemalige Kapuzinerkloster, mittlerweile das "Rheinhaus" genannt, erworben und für ihre Bedürfnisse mit Gartenanlagen für Obst- und Gemüseanbau, Hühnerhaltung, Koch-, Labor- und Lehrräumen ausgestattet.alter schulhof

Die Leitung der neuen Kaiserswerther Schule lag für knapp 3 Jahre in den Händen von Frau Kellermann, einer jungen Lehrerin aus den Nachbarstadt Ratingen. Über diese Zeit berichtet die ehemalige Schülerin Maria Reibel:

"Nach Ostern 1924 begann also das neue Leben in der höheren Schule. Wir saßen alle in einem Klassenzimmer, die sechs Jungen - später waren es acht - in den vorderen Bänken. Die Kinder, die im Jahr vorher schon gekommen waren, saßen auf der linken Seite, das war nun dieQuinta, die neuen rechts, das war die Sexta. Im ganzen waren wir 26 Schüler. Geschichte, Erdkunde und Naturkunde hatten wir gemeinsam. Fräulein Kellermann gab uns mit Pastor Koch, für die älteren Kaiserswerther noch eine bekannte Persönlichkeit, getrennten Unterricht in Deutsch und Französisch. Während die Großen mündlich arbeiteten, mussten die Kleinen etwas Schriftliches machen. Ich hörte so mit, was die andere Seite lernte, und manchmal konnte ich so von nebenan eine Antwort geben. Zu meiner Freude erlaubte mir Fräulein Kellermann, nach den Sommerferien in der Quinta zu sitzen, ich musste nur einige Lektionen in Französisch nachlernen. Ich muss gestehen, ich fand die neue Schule wunderschön! Wir hatten z.B. Zeichnen. In der Volksschule hatten wir nur gelernt, richtig zu rechnen und zu schreiben, nun lernte ich auch zeichnen, die Dinge um uns zu sehen, mit Wasserfarben zu malen, den Begriff der Perspektive. Fräulein Kellermann ging mit uns in den Garten, und dort suchten wir uns ein Objekt.
Übrigens war im alten Kloster noch eine Gärtnerinnen-Schule untergebracht. Der große Garten - wo heute die Schule und die Turnhalle stehen- war mustergültig in Beete aufgeteilt. In der Pause schauten wir Kinder zu, wenn die Gärtnerinnen pflanzten und pickierten. Unser Schulhof war der lange, breite Weg vom Tor bis zur Ecke des Klosters. Außerdem hatten wir noch einen Platz zum Völkerball-Spiel. Eine Turnhalle hatten wir nicht, wir hatten auch keine Sportkleidung, nur Turnschuhe. Mit den Jungen haben wir uns gut vertragen, beim Völkerball spielten wir aber immer gegeneinander. alte schule
Im Winter durften wir, wenn Schnee lag, unsere Schlitten mitbringen, dann war unsere Turnstunde in der "Abels Kuhl", das ist das Wiesengelände, das zum Kittelbach abfällt. Im Sommer hatten wir einmal in der Woche einen Nachmittag "Spielturnen". Wir gingen oder fuhren mit den Fahrrädern zum Sportplatz, der lag am Rhein hinter der Rheinfähre. Wir übten 75 m Lauf, Weitsprung und Speerwerfen, auch Schlagball und Kugelstoßen, aber es war kein richtiges Training. Fräulein Kellermann, etwa 35 Jahre alt, war sportlich selbst ganz unbegabt und machte auch keine Übungen vor. Sie war sehr lieb zu uns und lachte mit uns, wenn wir lustig waren. Die Hauptsache war, wir tummelten uns in der frischen Luft. Aber wir waren alle eifrig dabei.
Ostern 1925 bekamen wir zwei neue Lehrerinnen, Fräulein Kels und Fräulein Ernsing, das waren zwei grundverschiedene Typen. Fräulein Kels war etwa 30 Jahre alt, hübsch, sehr vornehm gekleidet, ernst und streng. Sie übernahm den Unterricht von Pastor Koch, der wegen Krankheit aufgeben musste. Wir hatten Respekt vor ihr, aber wir bewunderten sie. Fräulein Ernsing war das Gegenteil von ihr. Sie war immer lustig, etwas schlampig gekleidet mit Sandalen, Söckchen, Trägerrock mit schlecht gebügelter Bluse, das Haar wie damals in der Wandervogel-Bewegung in geflochtenen Zöpfen um den Kopf gelegt, und brachte immer ihre Laute mit zur Schule. Bei ihr hatten wir Musik und Volkstanz. Wir saßen im Sommer im Garten, sangen zur Laute Volks- und Wanderlieder und lernten danach Reigen und Tänze für einen Elternabend unter dem Motto: "Eine Wanderung durch deutsche Gaue in Gedichten, Liedern und Tänzen". Im Winter übten wir ein Theaterstück für eine Weihnachtsfeier. So viel Schönes und Neues brachte mir die Schule, dass ich den Wunsch hatte, ein Instrument zu spielen. Ich lernte, die Geige zu spielen. So ging das Schuljahr 1925/26 dahin. Wir saßen nun in zwei Klassenzimmern zur Straße hin. Es war sehr laut dort, der ganze Verkehr nach Düsseldorf ging durch das Städtchen, der Klemensplatz war noch ein Platz, die Niederrheinstraße und die Straßenbahn gab es noch nicht, die wurden erst 1927 gebaut.kloster
Ganz plötzlich wurde uns Ostern 1926 mitgeteilt, dass die beiden Lehrerinnen, Fräulein Kels und Ernsing, wieder fortgingen und daß Schwestern aus dem Kloster Marienberg in Neuss zu uns kämen. Wir haben am letzten Schultag vor Ostern alle geweint, weil die Lehrerinnen weggingen, wir hatten sie liebgewonnen. Auch das Abschiednehmen von den Jungen fiel uns nicht leicht, der Umgang mit ihnen war so geschwisterlich. Wenn sie uns auch manchmal die Luft aus den Fahrradreifen ließen, so haben wir uns anderswie gerächt, aber gezankt haben wir uns nie.

1926 übernahmen die "Schwestern vom armen Kinde Jesus" die Leitung der Schule. Sie führten bereits in Düsseldorf-Derendorf die Anna Schule, ein Mädchen-Gymnasium, das den Schülerinnen eine Schullaufbahn bis zur Reifeprüfung ermöglichte. Etliche Schülerinnen der Kaiserswerther Schule brachten ihre "Schulkarriere" an dieser Schule zum Abschluss, da die Suitbertus-Schule vor dem Krieg - und auch noch nach dem Krieg bis 1960 - nur den Abschluss mit der Klasse 10 ermöglichte. Mit den Schwestern nahm eine gewisse Strenge und Disziplin in die Schule Einzug, die zunächst Befürchtungen der Schülerinnen erweckten, später aber auch Respekt und Anerkennung hervorriefen.

Suitbertus - Der Heilige, der aus England kam

Christa-Maria Zimmermann

Jedes Kaiserswerther Kommunionkind kannte früher die Geschichte auswendig: Wie Berta, die Frau des Grafen Sigbert von Nottingham, kurz vor der Geburt ihres Sohnes 647 einen Traum hatte, in dem ein hell leuchtender Stern über ihrem Hause aufging - und seine Strahlen reichten weit übers Meer bis ins Frankenreich hinein. Wie Bischof Aidan von Lindisfarne dem englischen Grafenpaar daraufhin die Geburt eines Sohnes prophezeite, der den christlichen Glauben zu den Heiden bringen würde. Wie die Eltern das Kind Swibert nannten und dem Dienste Gottes weihten. Wie der junge Priester so über die Maßen fromm und tugendhaft war, daß er zum Abt von Kloster Dakor gewählt wurde.

Doch der Abt war traurig, denn er dachte an die wilden Volksstämme auf dem Festland, "die noch in der Finsternis des Heidentums saßen" (Anm.1). Also fuhr er mit den Heiligen Willibrord und Willeicus über das Meer und wanderte nach Friesland, um dort das Christentum zu predigen. Nach ein paar Jahren kehrte er nach England zurück und wurde zum Bischof geweiht. Dann ging er zu den Brukterern zwischen Lippe und Ruhr, doch mußte er vor den Sachsen fliehen, die schon zuvor seine Begleiter, die beiden Ewalde, erschlagen und zu Märtyrern gemacht hatten. Auf dem Rückzug erbaute er in Dorsten eine Kirche, und in dem Gedränge des Volksauflaufes stürzte ein Knabe in die Lippe und ertrank. Sein Vater brachte dem Gott Mars ein blutiges Opfer, doch das Kind blieb tot. Da betete Suitbertus, und der Knabe schlug die Augen auf, und sein Vater und viele aus der Menge wurden bekehrt. (Auch in Kaiserswerth soll Suitbertus Ertrunkene wieder erweckt haben. Als Erinnerung an diese Wunder war noch vor dem letzten Krieg über dem rechten Seitenaltar eine Angel zu sehen.)

Suitbertus floh zu Pippin, dem Herrn im Frankenreich. Dessen Frau Plektrudis hatte Mitleid mit dem Bischof und wollte ihm helfen. Sie bat ihren Mann, ihm eine Insel im Rhein zu schenken, wo er sicher leben und missionieren konnte. So kam Suitbertus mit seinen Gefährten auf das Werth im Rhein und baute im Schutz des Königshofes Rinhusen ein Kloster und eine Kirche, die dem Hl. Petrus geweiht war. Plektrudis hatte ihn reich beschenkt, denn er hatte nach jahrelangen ehelichen Zerwürfnissen Pippin wieder mit ihr versöhnt. Suitbertus zog den Rhein entlang, ins Bergische Land und nach Westfalen, um das Christentum zu predigen. Die Kirchen von Mülheim, Velbert, Kalkum, Himmelgeist, Gerresheim, Hardenberg, Gruiten, Wülfrath und Ratingen verdanken ihm ihre Gründung, wobei sich die Ratinger zunächst sehr ablehnend verhielten, dem Missionar das Stadttor vor der Nase zuwarfen und ihm dabei den Daumen quetschten, so daß sie als "Dumeklemmer" zur Strafe fortan mit einem breiten Daumen geboren wurden.

An einem 1. März starb der Missionar und wurde von seinen alten Gefährten Willibrord und Willeicus und seiner Verehrerin Plektrudis in seiner Kirche beigesetzt. An seinem Grabe ereigneten sich so viele Wunder, daß die Gebeine schon 755 in eine neue Gruft umgebettet wurden. Knapp 50 Jahre später, in Gegenwart Karls des Großen und Papst Leos des Dritten und vieler Kardinäle, Bischöfe, Prälaten und unter ungeheurem Andrang des Volkes wurde Suitbertus in Kaiserswerth (das damals vielleicht Suitbertuswerth hieß) heiliggesprochen.

Aber ach, die schöne Geschichte, die die Kaiserswerther Kinder auswendig lernten, ist von den Historikern längst ins Reich der Legende verwiesen worden (Anm. 2). Fast nichts daran ist sicher: das Geburtsjahr nicht und auch nicht das Todesjahr, das lange Zeit auf 717 oder 715 festgesetzt war. Inzwischen gilt das Jahr 713 als das wahrscheinlichste. Die Herkunft aus frommem, adeligem Hause kann ebensowenig nachgewiesen werden wie Klosterleben und -würden. Die Missionstätigkeit und die Kirchengründungen im rheinischen und Bergischen Gebiet werden von der Forschung ebenso bezweifelt wie die Wunder zu seinen Lebzeiten und an seinem Grab. (Ein Stadttor jedenfalls hat es in Ratingen damals gewiß noch nicht gegeben.) Nicht einmal das Datum der Heiligsprechung steht fest (4. Sept. 796 oder 803 oder noch ein anderes?), und auch die illustre Versammlung zu diesem Anlaß ist wenig wahrscheinlich.

Gesichert sind nur die wenigen Sätze, die der H1. Beda in seinem berühmten Werk über die Kirchengeschichte des angelsächsischen Volkes schreibt. Gesichert sind außerdem einige historische Ereignisse und Gestalten, die mit Suitbertus in Verbindung zu bringen sind. Beda berichtet von der Missionsarbeit des H1. Willibrord, der 690 mit elf Gefährten zu Pippin dem Mittleren kam. Dieser hatte 689 das südliche Friesland mit Utrecht der fränkischen Herrschaft eingegliedert. Mit seiner Unterstützung und Billigung begannen die Angelsachsen in diesem Gebiet zu predigen - ein Novum in der Geschichte der angelsächsischen Mission, die bis dahin allein von der Eigeninitiative der Mönche getragen worden war. Die Anlehnung an die Staatsgewalt galt seit Willibrord als Richtschnur jeglicher Missionsarbeit.

Willibrord reiste um 692 nach Rom, um den päpstlichen Segen für sein Werk zu erbitten. "In dieser Zeit", schreibt Beda, "erwählten seine Gefährten, die in Friesland mit der Ausbreitung des Evangeliums beschäftigt waren, aus ihrer Mitte Suitbert, ausgezeichnet durch seine Sitten und Herzensgüte, und bestimmten ihn für das Bischofsamt. Auf ihre Bitten weihte ihn Bischof Wilfrid, der als Verbannter in Mercien lebte. Nach der Bischofsweihe kehrte Suitbert aus England zurück, ging aber kurz darauf zu den Brukterern und bekehrte viele von ihnen zum Christentum. Als die Brukterer einige Zeit später von den Sachsen besiegt worden waren, zerstreuten sich diejenigen, die das Evangelium angenommen hatten, und der Bischof suchte mit den Seinigen Pippin auf, der ihm durch Vermittlung seiner Gattin Plektrudis einen Aufenthaltsort auf einer Insel am Rhein anwies, die in ihrer Sprache "am Ufer" hieß. Dort baute er ein Kloster, das noch jetzt seine Erben besitzen, und nachdem er dort ein sehr eingezogenes Leben geführt hatte, starb er."

Das ist herzlich wenig - und von dem wenigen bleibt noch manches im Dunkeln. Warum wurde Suitbertus zum Bischof geweiht, als Willibrord in Rom war? Gab es da Meinungsverschiedenheiten unter den Missionaren? War Suitbertus der Kandidat einer Anti-Willibrord-Partei? Dafür spräche die Trennung der beiden nach der Rückkehr Willibrords aus Rom. Oder war Swidbert der Kandidat Pippins und einer romgegnerischen Regierung? Dafür spräche die Weihe in England und das spätere großzügige Geschenk der Rheininsel. Fest steht nur, daß der Bischof Suitbertus sich einem neuen Missionsgebiet zuwandte und zu den Brukterern ging und von dort durch den Sieg der Sachsen 694 vertrieben wurde.

Ob die vita contentissima, die der Bischof laut Beda auf der Rheininsel geführt hat, den Verzicht auf weitere aufregende Missionsarbeit bedeutet, läßt sich schwer entscheiden. Die These von der großen Urpfarrei Kaiserswerth zu beiden Seiten des Rheines und die weitgestreuten Kirchengründungen haben sich jedenfalls durch die moderne Geschichtsforschung nicht beweisen lassen. Die Kaiserswerther Jahre des H1. Suitbertus liegen immer noch im Dunkeln. Auch Zeitpunkt und Vorgang der Heiligsprechung sind nicht geklärt. Swidberts Landsmann Alkuin, der Helfer Karls des Großen, erwähnt zwar Swidbert als besonders hervorragenden Boten der christlichen Mission, aber das ist alles. Kaiser und Papst zur Heiligsprechung in Kaiserswerth - diese Vorstellung muß wohl mit einem Fragezeichen versehen werden. Als Terminierungshilfe bliebe eine Kölner Allerheiligen-Litanei, die vor 818 den H1. Suitbertus als Bekenner aufführt, und eine Urkunde von 877, in der die Kaiserswerther Kirche als "den Heiligen Petrus und Suitbertus geweiht" bezeichnet wird.

Kein Wunder, daß die Kaiserswerther diese Lage als unbefriedigend empfanden. Da hatten sie nun eine Kirche, die zu den schönsten und prächtigsten weit und breit zählte (Anm.3). Da hatten sie vor allem den Prunkschrein mit den Gebeinen des H1. Suitbertus, ein Wunderwerk aus vergoldetem Silber und Kupfer, geschmückt mit Edelsteinen, Bergkristallkugeln und Email (Anm. 4 und 5). Was sie nicht hatten, war eine ausführliche Schilderung des Lebens ihres Heiligen, so wie es nach den Vorstellungen der damaligen Zeit zu sein hatte. (Die Legenda aurea des Jacobus von Voragine, die seit ihrem Erscheinen um 1280 einer der Bestseller des Mittelalters war, hatte da durchaus prägend gewirkt.) Wer beschreibt die allgemeine Begeisterung, als ein Kanoniker des Stiftes um 1500 eine "uralte" Handschrift von einem Gefährten des H1. Suitbertus entdeckte! Dieser Marcellinus beschrieb in breitester Ausführlichkeit den Stern, die Prophezeiung, das Kloster- und Missionsleben, die Wunder und die Kirchengründungen. Der Handschrift beigebunden war ein Brief des Hl. Ludgerus an einen Schüler mit weiteren Angaben über Suitbertus.

Inzwischen steht längst fest, daß die Kaiserswerther Kanoniker mit dieser Marcellinusvita zur Selbsthilfe gegriffen hatten. Einen Hl. Marcellinus hat es nie gegeben, die alten Urkunden, auf die sich die Vita bezieht, sind nie aufgetaucht. Zwar gaben die Kanoniker später eine notarielle Erklärung ab, daß sie die Urschriften aus Zwolle erhalten hätten, führten aber keine Beweise dafür an. Der H1. Ludger hat zwar gelebt, aber nachweislich keinen Brief an den Hl. Suitbertus geschrieben. Die erste Ausgabe der Marcellinusvita erschien 1508 im Druck, die ihr angeblich zugrunde liegende Handschrift, die die Kanoniker stolz präsentierten, ist ganz eindeutig eine zeitgenössische Fälschung.

Trotzdem hat die Marcellinusvita die Suitbertus-Verehrung in Kaiserswerth entscheidend beeinflußt - obwohl schon bald Einwendungen laut wurden. 1669 protestierten Stift und Stadt Kaiserswerth gegen die Versuche, die Vita in Zweifel zu ziehen. Sie wiesen darauf hin, daß schon am Schrein des Hl. Suitbertus sein Zeichen, der Stern, abgebildet sei und auch eine Figur des H1. Ludger. Dann müßte man die Entstehungszeit der Legende zumindest zwei- bis dreihundert Jahre früher ansetzen. Man wird wohl davon ausgehen können, daß eine gewisse mündliche Tradition des Suitbertus-Lebens bestanden hat - nur wird sich nie klären lassen, was davon in die Marcellinusvita übernommen wurde.

Suitbertus zählt nicht zu den großen Gestalten der Germania Sacra. Aber allein die Tatsache, daß er und seine Nachfolger ein Kloster und eine Kirche erbaut haben, muß als bedeutsam gewürdigt werden. Kaiserswerth war das zweitälteste Mönchskloster in der riesigen Erzdiözese Köln und einer der christlichen Vorposten gegen das heidnische Sachsenland. In Kaiserswerth, dem Ort seines Wirkens und dem Mittelpunkt seiner Verehrung, ist das Andenken an den H1. Suitbertus durch mehr als tausend Jahre lebendig geblieben. Es ist nicht zuletzt ein Zeichen dieser Verehrung, daß unser Gymnasium seinen Namen trägt.

Anmerkungen

Anm. 1 Karl Heck: Geschichte von Kaiserswerth, Düsseldorf 1925, S. 7
Anm.2 Wilhelm Stüwer: Suitbertus - Sein Leben und Nachleben
Anm.3 Gerhard Nitschke: Die Suitbertusbasilika
Anm.4 Bernd Heppe und Helmut Knirim: Der Schrein des H1. Suitbertus
Anm.5 Wilhelm Hiß: Biblische Meditationen über den Suitbertusschrein

Alle Aufsätze in: Kaiserswerth - 1300 Jahre Heilige, Kaiser, Reformer, hg. von Christa-Maria Zimmermann und Hans Stöcker, Düsseldorf 1978.

Dieser Artikel enthällt folgende Kapitel:
Seidenweberrei | Hausarbeit | Neue Seidenweberei | Seidenweberinnung | Leinen- und Baumwollwebereien |
Holländische Straße | Kalkhandel | Obsthandel | Handel in Kaiserswerth im Frühen Mittelalter | Handel in Kaiserswerth um 1400 und später | Treidelei | Leinpfad | Petersen: Unternehmer und Bürgermeister | Der Handel | Dampfschifffahrt | Tabakfabrik |

Seidenweberrei
Kaiserswerth war für 1 Jahrhundert Seidenweberstadt. Kaiserswerth war damals ein sehr kleiner Ort, indem 200 Einwohner in der Seidenfabrik arbeiteten.
1777 schlossen sich in Krefeld mehrere kleine Seidenwebereien zu einer „Gesellschaft von Seidenfabrikanten“ zusammen. Sie suchten einen geeigneten Platz um eine große Seidenfabrik zu bauen. Sie entschlossen sich schließlich für Kaiserswerth. Ein Grund dafür war Kaiserswerths direkte Rheinnähe. In Kaiserswerth  lebten damals relativ viele Beamte, deshalb war Kaiserswerth der Standort eines Zollamtes, Kollegiatsstifts und des Stadtgerichts. In Kaiserswerth lebten nur wenige Landwirte, deshalb lebten die Kaiserswerther hauptsächlich von den Beamten und dem Durchgangsverkehr. Durch Kaiserswerth verlief nämlich die „Holländische Straße“. Diese kam von Köln und verlief von dort über Düsseldorf nach Holland und ins Münsterland. Der gesamte Handel verlieh der Stadt Wohlstand. Um den Handel in Kaiserswerth auszubauen gab es einige handelstärkende Gesetze: Personalfreiheit, Befreiung von Zünften und Innungen, freies Bürgerrecht und die Handelsfreiheit. Da es in anderen Städten diese Gesetze nicht gab, wuchs der Handel in Kaiserswerth stetig weiter. In Köln durften zum Beispiel nur Kölnerschiffe anlegen und diese mussten ihr Ware dann drei Tage in der Stadt anbieten.
1784 wurde das Monopol-Vorrecht vom Kurfürst um 30 Jahr verlängert. Die Konjunktur der Seidenfabrik sank jedoch extrem, als sich von 1794 bis 1797 die Franzosen in Kaiserswerth niederließen.  Sie konnten das Monopol-Vorrecht wegen der kriegerischen Auseinandersetzung Frankreichs nicht weiter gewähren. Beim Luneviller Frieden 1801 verfiel Jülich, zu dem Kaiserswerth damals gehörte, an  das linksrheinische Gebiet der Franzosen. Kaiserswerth wurde deshalb dem Herzogtum Berg einverleibt. In der Franzosen Zeit 1806 wurde in Kaiserswerth die französische Verwaltung errichtet. Diese führte das Salzmonopol ein und verbot die Tabak Herstellung. In der Stadt befanden sich zu dieser Zeit mehrere kleinere Tabakfabriken, in der noch um die 100 Bürger arbeiteten.  Durch die Kontinentalsperre, die Napoleon England verhängte, wurde der Handel der Seidenfabrik völlig lahm gelegt.  Von 1809 wird berichtet, dass in der Seidenweberei 149 Gesellen. Mädchen und Kinder arbeiteten und jährlich 2000 Stück Seiden- und Samtband im Wert von 10000 Taler herstellen. Die Rohstoffe werden in Italien für 3000 Taler erworben. Die Bänder wurden nach Deutschland. Russland, Schweden, Dänemark und Amerika transportiert und verkauft. Nur nach Österreich und Frankreich durften keine Bänder geliefert werden, da diese dort mit hohen Zöllen belegt werden.  Schon 1811 verfiel die Stadt, da sich hier weder der Rheinzoll, das Zuchthaus  noch eine „gangbare“ Straße befanden. 1813 konnten die Arbeiter der Weberei wegen geringer Absatzmärkte nur noch 10 oder 11 Stüber verdienen. Schon 1822 meldete die Seidenweberei Konkurs an. Dies „war der schwerste Schlag für die Stadt“, da nun fast alle „Nahrungsquellen“ verschwunden waren. Es wurden nochmals 220 Familien arbeitslos. Die 75 Webstühle, Bänke, Haspeln, Bandmühlen, Kämme, Farbkessen, Büdden und andere Mobilarien wurden nun zum Verkauf angeboten.

Hausarbeit
In Jahre 1822 kam Theodor Fliedner, ein 22 jähriger evangelischer Pastor, aus Eppstein nach Kaiserswerth. Er versuchte den verarmten Kaiserswerthern mit neuen Arbeitsmöglichkeiten zu helfen und bat in großen Unternehmen in Wuppertal und Krefeld, ob die armen Kaiserswerther Weber in Heimarbeit für die Unternehmen arbeiten könnten. Die beiden Firmen Simon aus Wuppertal und von der Leyen aus Krefeld waren dazu bereit den Kaiserswerthern Arbeit zugeben. Nach einigen Jahren arbeiteten 48 Häuser an Webstuben für die großen Unternehmen, es gab nur ein großes Problem. Die Weber mussten die Rohstoffe, sowie die Fertigwaren an Sammelstellen abholen. Doch von der Leyen errichtete in der alten Apotheke An St. Swidbert eine Sammelstelle, wo die Weber die Rohstoffe abholen und die fertigen Stoffe abliefern konnten. Schon 1837 hatte sich die Zahl der produzierenden Webstühle auf 65 erhöht.  Trotzdem sank die Konjunktur der Kaiserswerther Weber wieder und ein Unternehmen mit 30 Webstühlen, das 1834 gegründet wurde, musste schließen.

Neue Seidenweberei
1842 eröffneten die Brüder von der Leyen eine neue Seidenfabrik, die viele neue Arbeiter  beschäftigen sollte. Die Webstühle dieser neuartigen Fabrik wurden mit Dampf angetrieben. Durch Senkung der Arbeitslöhne und eine größere Produktionsfähigkeit wurde eine Konkurrenz zu ausländischen Fabriken aufgebaut. Am Anfang stellte diese neue Weberei 27 Personen an. 16 davon waren über und 11 unter 16 Jahren alt.  Ein Jahr später hat sich jedoch die Anzahl der vorhandenen Webstühle nicht vermehrt.
Trotz der Errichtung der neuen Seidenweberei, vermehrte sich die Hausarbeit. Alle Weber wurden fast ausschließlich von den Firmen Simon und von der Leyen beauftragt. 1844 betrug der Zahl der Seiden- und Halbseidenstühle 112, schon ein Jahr später 166. In der Fabrik waren nun schon 246 Personen beschäftigt. In Bockum arbeiteten 5 Personen an 4 Stühlen. In der Fabrik wurden „8000 Pfund rohe Seide“ aus Lombardei, 1900 Stück indische Seide aus Manschaster und 200 Stück Samt verarbeitet.

Seidenweberinnung
Obwohl die Hausweberei durch weitere neue Arbeitsmöglichkeiten stark zurückging, blieben einige Webstühle bis 1900 bestehen. 1853 traten 48 Hausweber zu einen Seidenweber-Innung zusammen. Diese wollte sich durch hohe Abgaben jedes Mitgliedes bei Krankheit oder Todesfall absichern. Sie dachten ungefähr an das Prinzip der heutigen Krankenversicherungen. Doch durch Misswirtschaft wurde diese Innung schon 1863 wieder geschlossen. Der Geldbestand dieser Seidenweber Innung wurde an das katholische Krankenhaus gespendet.

Leinen- und Baumwollwebereien
Leinen- und Baumwollwebereien waren in allen niederrheinischen Orten üblich, so auch, neben der Seidenweberei, in Kaiserswerth. Sie produzierten Leinen für Bettbezüge, Kleider, und Handtücher. In Kaiserswerth waren auch Färbereien und Druckereien vorhanden. Die Produkte dieser Webereien deckten den Bedarf der Stadt und der näheren Umgebung. 1827 existierten 4 Weber in der Stadt, die mit 9 Stühlen 9 Personen beschäftigten. 1831 färbten und druckten 2 Färbereien 500 Ellen Stoff, 1836 bedruckte nur eine Färberei 500 Ellen. 1837 befanden sich 4 Baumwollwebstühle in Kaiserswerth, die 12000 Ellen herstellten. 7 Leinwebstühle webten 50000 Ellen um den Bedarf der Landleute zu decken.  1845 existieren diese Webereien schon nicht mehr, da die mechanische Weberei wesentlich effektiver war.
Quelle: Heimat Jahrbuch Wittlaer 2004

Holländische Sraße
Durch Kaiserswerth verlief die „Holländische Straße“. Diese kam von Köln und verlief von dort über Düsseldorf nach Holland und ins Münsterland.

Kalkhandel
Die erste Kalklieferung erfolgte im Jahre1353. Es wurden 400 Malter Kalk geliefert. Zwischen 1374 und 1376 wurde Kalk nach Deventer und Ijssel geliefert. 1390 bestellte die Stadt Wesel bei Johan Moroe, einem Kaiserswerther, Kalk.  Die Kalklieferungen aus Kaiserswerth machten sogar 18,6 % der Lobither Verzollung aus. Von 18 in Lobith verzeichneten Kaiserswerthern brachten 8 Kalk am Zoll vorbei. Von Insgesamt 30 im Jahre 1347/48 in Lobith  gezählten Kalkladungen stammten 13 aus Kaiserswerth und 11 aus Bockum. 1369 überquerten 17 Schiffe mit Kalklieferungen, die aus Kaiserswerth und Bockum stammten. den Lobitherzoll. Auch heute sind noch Reste von diesem Kalkhandel zu erkennen. Die Kalkstraße verläuft von Wittlaer aus nach Nord-Osten und sogar ein ganzer Stadtteil trägt den Namen Kalkum. Trotzdem wurde erst in 18 Jahrhundert in Wittlaer eine Kalkgilde errichtet.

Obsthandel
Aus Zollbüchern, bzw. Eintragungen  aus Lobith, einer kleinen Stadt zwischen Nijmwegen und Emmerich, von 1306/07 geht hervor, dass einige der dort verzollten Güter aus Kaiserswerth stammen. Es wurden vor allem Äpfel, aber auch Pflaumen und Birnen verschifft.  Die Pflaumen wurden direkt nach ihrer Ernte, also zwischen Ende Juli und Anfang August, nach Lobith verschifft. Äpfel wurden hauptsächlich in den Monaten August, September, Oktober und Februar nach Lobith gebracht. Der Obsthandel brachte gewisse Vorteile, da Obst nur niedrig verzollt wurde. Doch nicht nur Obst wurde von den Händlern nach Lobith geschafft, sondern auch Wein, Salz und Hafer. Der Kaiserswerther Weinhandel machte 24%  des Lobither (Wein)handels aus. Dieser war wegen seines Wertes sehr wichtig. Auch 1347/48 spielte der Apfelhandel noch eine große Rolle. Zwischen 1380 und 1383 wurde Obst auch in den Raum Dordrecht, einer Stadt bei Rotterdam, geliefert.

Handel in Kaiserswerth im Frühen Mittelalter
Die ersten Hinweise auf Handel in Kaiserswerth findet man schon in einer Urkunde Konrads III. von 1145. In dieser Urkunde wird die Zollfreiheit der Kaiserswerther Kaufleute beschrieben. Diese transportierten ihre Waren nach Angeren, Nijmegen, Utrecht und Neuss. Diese Händler waren meist Fernhändler. Selbst Friedrich I. befahl dem Bischof Herman von Utrecht die Zollfreiheit der Kaiserswerther zu achten. Schon zur Zeit Heinrichs V. (1106-1125) existierten in Kaiserswerth schon Kaufmannsiedlungen. 1265 transportierten Händler Salz, Hering und Wein nach Speyer. Hier wird deutlich, dass der Kaiserswerther Handel schon bis ins frühe Mittelalter zurückreicht.

Handel in Kaiserswerth um 1400 und später:
Um 1400 war der Kaiserswerther Handel noch sehr ausgeprägt. Vor allem der Kalkhandel war weiterhin der Wichtigste, aber auch der Apfelhandel, wobei der restliche Obsthandel keine große Rolle mehr gespielt hat. Es wurden hauptsächlich noch Wein und Salz gehandelt.
Wein:
1387 bis 1389 machte der Holländische und Seeländische Weinhandel ¼ des gesamten Tieler Weinhandels aus. Der Niederrhein, so auch Kaiserswerth, war dominierend.
1394/95 halbierte sich der niederrheinische Weinhandel jedoch, der holländische und seeländische verringerte sich nur kaum. Doch der Geldrische war stark angestiegen.
Kalk:
In Lobith und Ijsseloord spielte der Kaiserswerther Kalkhandel eine sehr große Rolle. 1395/95 kamen 10 oder 15 Kalk Verzollungen aus Kaiserswerth. Alle wurden hauptsächlich in den Monaten März, Juni, Juli, August und Oktober wegen der Witterung im Frühjahr geliefert. Es wurden insgesamt 32 Kalk, 20 Salz, 7 Äpfel und 6 Wein Verzollungen festgestellt. Andere aber nicht wichtige Stoffe waren Kannen, Käse, Butter, Roggen, Fisch und Feigen. 1408/09 kamen 15 der 25 Kalkverzollungen aus Kaiserswerth, weitere 6 aus Nijmegen. Doch 1417 ging der Kalkhandel stark zurück. Es wurden nur 7 Kalk, aber 12 Äpfel Verzollungen festgestellt. 1459 wurde in Tiel nur eine Kaiserswerther Verzollung festgestellt, 1474/75 waren es 2, die aber beide von derselben Person ausgingen.
Um 1520 ist ein plötzlicher Rückgang des Kaiserswerther Handels zu erkennen, der bis zum Aussetzen des Handels führt. Einer der Gründe ist, dass Maaskalk an Handelskraft gewinnt.

Treidelei
Vor der Erfindung der Dampfmaschine bot die Strömung des Rheins den Schiffen, die Rhein aufwärts in die Niederlande fahren wollten, eine große Schwierigkeit. Sie übernahmen daher zunächst die Methode die schon die Römer verwendet hatten, als sie rheinische Gebiete besetzten. Sie ließen Menschen die schweren Schiffe den Rhein hochziehen. Bei den Römern mussten dies die Sklaven erledigen. Da dies die Lebensdauer der Menschen deutlich verringerte, wurden bald Pferde eingesetzt. Ein Pferd ersetzte somit 4 Menschen. Doch die schweren Kaltblutpferde drohten in den unbefestigten Ufern einzusacken. Daher mussten die Ufer befestigt werden. Auch ein so genannter Päädsdriewer, der die Pferde führte und für die Pferde verantwortlich war, wurde benötigt.  Entlang des Rheins gab es mehrere so genannte Treidelstationen, die zur Versorgung der Pferde, doch auch der Besatzung galt. Doch als 1816 das erste Dampfschiff den Rhein befuhr machte es den Treidlern Konkurrenz. Deshalb stellten die Treidelstationen nun immer neue Pferde bereit. Diese wurden nun Pferde Relaisstation genannt. An jeder Station wurden müde Pferde gegen neue getauscht. Die erschöpften Pferde konnten sich nun wieder erholen, bis sie wieder zum Einsatz kamen. So konnten die Schiffer bis zu doppelt so schnell ihr Ziel erreichen. Eine Strecke von Köln bis Rotterdam konnte nun in fünf bis sechs Tagen absolviert werden. Diese Strecke hätte vor der Erfindung der Pferde Relaisstationen 14 Tage gedauert.
Da die Dampfer den Treidelschiffern doch nach und nach mehr Konkurrenz machten, gab es 1848 einen Aufstand gegen die Dampfschiffe. Im Verlauf dieses Aufstandes wurden die Dampfer sogar beschossen.

Leinpfad
Damals, vor 1830, war die Rheinschifffahrt nur bedingt möglich. Die Rheinschifffahrt war nur mit Segelei oder mit Hilfe von Pferden möglich. Am Ufer des Rheins waren zur damaligen Zeit Wege befestigt, auf denen die Pferde laufen konnten, wenn sie die Schiffe den Fluss aufwärts zogen. Dieser Vorgang wurde Pferdetreidelei genannt. Die Pferde liefen auf dem sog. Leinpfad, der nach den langen Seilen benannt war, an denen die Pferde die Schiffe den Rhein aufwärtszogen. Der Leinpfad verlief den Niederrhein hoch von Orsoy und Rheinberg und über Wittlaer, einem anderen Stadtteil Düsseldorfs, nach Kaiserswerth. Dieser verlief weiter den Rhein entlang nach Golzheim, denn am Golzheimer Hafen war der große Umschlagsplatz für Handelsschiffe. Da ein großes Gebäude, das bis an das Ufer den Rheines ragte, den Treidelweg versperrte, mussten die Schiffer anlegen, da die Pferde durch die Stadt gebracht werden mussten, um hinter dem Gebäude, das „Bähr“ genannt wurde, wieder angeschnallt zu werden. Diese Gelegenheit nutzten die Schiffer meist, um in der Stadt Proviant zu kaufen. 1834 hatte die Stadt daher 3067 Taler Einnahmen, dazu kam noch die Straßenbenutzung der Pferde, die sich nicht umgehen ließ, mit weiteren 84 Talern. Durch die Verlängerung der Seile, die von den Schiffe gezogen wurden, wenn die Schiffe die Schiffswerft passierten, wurden weitere 400 Taler im Jahr eingenommen. All diese Einnahmen trugen zu dem damaligen Wohlstand der Stadt bei. Um 1836 wurde der Leinpfad dann, zum Bedauern der Bürger, die um ihre Einnahmen fürchteten, trotz vieler Mühen  verlegt.

Petersen: Unternehmer und Bürgermeister
Petersen, ein evangelischer Christ, betrieb in Kaiserswerth um 1790 einen starken privaten Handel. Er handelte mit Webwaren, Wein, Branntwein und Liqueur. Zudem leitete er noch eine Apotheke, in der er ebenfalls viel Branntwein verkaufte. Petersen wurde 1796 zum Bürgermeister Kaiserswerths gewählt. Er erbaute das evangelische Gemeindezentrum im Nördlichen Kaiserswerth auf dem Festungswall, die Kirche, ein Pfarrhaus und eine Schule. 1790 baute er auf dem Wall, den der Landesherr für Petersen freigegeben hatte, eine ganze Häuserreihe. Am Kaiserswerther Markt baute er das Haus, das zwei Häuser links neben dem Restaurant „Im Schiffchen“ steht.
Nachdem ihm vom Landesherrn noch weitere vier Kameralgärten gegen eine geringe Erbpacht überlassen wurde, ließ er den Wall abtragen und mit den Erdmassen den Stadtgraben zum Teil ausfüllen, um dort eine große Fabrik zu errichten. Dieses Gebäude wurde 1790 fertig gestellt und nahm 75 Webstühle in sich auf. Heute ist dieses Gebäude noch an der Friedrich Von Spee Straße 2 bis 10 zu erkennen. Petersen starb am 9. April 1814.

Der Handel
In Kaiserswerth siedelten sich schon zur Zeit Heinrich V. und im 11 Jahrhundert Kaufleute an. Der Radius der bekannten Handelausbreitung geht von Angern bzw. Utrecht bis in den Norden Kölns. Schon im 13. Jahrhundert sind von Kaiserswerthern Immobilien- und Geldgeschäfte bekannt. 1306/07 war der Obsthandel der Kaiserswerther dominierend, ging aber im 14 Jahrhundert deutlich zurück. Kalk wurde bis 1520 in den Raum Neder-Rign/Ijssel als wichtigstes Handelsgut transportiert. Doch im 15. und 16. Jahrhundert verloren die Kaufleute an Einfluss.

Dampfschifffahrt
Erst 1830, also 118 Jahre nach der Erfindung der Dampfmaschine, fuhren die ersten Dampfer über den Rhein. Diese wurden von den gebildeten Menschen Remorqueure genannt. Der Handel mit Dampfschiffen nahm rasch zu. 1843 verkehrten noch 14384 Pferde und nur 139 Dampfer. Sieben Jahre später, 1850, verkehrten nur noch 1287 Pferde, aber schon 3289 Dampfer den Rhein. 1850 befuhren schon dreizehn In- und Ausländische Gesellschaften den Rhein mit Dampfschiffen. Dadurch wurden 3000 Arbeitsplätze geschaffen. In Kaiserswerth musste jedes Schiff, ob es den Rhein Strom aufwärts oder Strom abwärts fuhr, anlegen, um Zoll zu bezahlen. Der Rhein Zoll wurde 1174 von Tiel nach Kaiserswerth verlegt. 1635 wurde das Zollhaus in Kaiserswerth errichtet, das noch heute existiert.

Tabakfabrik
Um 1800 Stadt befanden sich zu dieser Zeit mehrere kleinere Tabakfabriken in Kaiserswerth, in der noch um die 100 Bürger arbeiteten.

Aus: GePo Projekt - Kaiserswerth