Katholische Schule heute – Chancen und Aufgaben

Das Suitbertus-Gymnasium ist seit vielen Jahrzehnten fester Bestandteil des katholischen Lebens in Kaiserswerth und Umgebung. Vor einigen Jahren kam ein Buch mit dem Titel „Katholisch und trotzdem o.k.“ auf den Markt, der mit einer Mischung aus Schmunzeln und Ernüchterung das Fremdeln der Gesellschaft mit uns Katholiken auf den Punkt bringt. Auch die derzeitige Diskussion über die Frage des Verbleibs von Kreuzen in den Gerichtssälen zeigt, dass christliche Symbole und christlicher Glaube heute längst nicht mehr von allen als befreiend und die Würde des Menschen bewahrend erlebt werden. Zum tieferen Verständnis scheint „Übersetzungsarbeit“ wieder nötig und sinnvoll!
Als katholische Schule ist unsere Werteordnung klar umrissen und gründet im Wesen Gottes, der sich uns in Jesus Christus offenbart hat. Die Werte, von denen unser Miteinander in Schule getragen ist, wie z.B. Achtung des Lebens, Toleranz, Gerechtigkeit, Gleichberechtigung, Verantwortung, Freiheit, sind natürlich vielerorts auch außerhalb unserer Kirche anerkannt. Aus dem Glauben erwachsen uns aber Orientierung und Kraft, diese Werte auch zu leben. Und ein gelebtes Glaubenszeugnis ist unser Weg, die Botschaft Jesu weiterzugeben. Denn: Werte kann man nicht „vermitteln“, genau so wenig wie „Hunger“; tragfähige Werte und die Sehnsucht nach (Selbst-)Bindung an Werte erwächst bei kritisch hinterfragenden Jugendlichen vor allem durch die Erfahrung glaubwürdigen Miteinanders. Insofern ist jeder von uns, Schulleiterin wie Schulseelsorger, Lehrerin und Lehrer so wie auch Sie Mitarbeiter in Gottes Weinberg, jeder mit seinen Talenten, jeder mit seiner Lebens- und Glaubenserfahrung. Und deshalb ist das allererste und vornehmste Angebot, das wir unseren Schülerinnen und Schülern machen, ein personales: Christinnen und Christen, die ihnen in Ausübung ihres Dienstes täglich begegnen, und damit Auseinandersetzung und Klärung des eigenen Standpunktes ermöglichen.

Begegnung und intellektuelle Vertiefung sind wichtig. Für uns als Katholische Schule bedeutet das, dass die säkulare Bildung der religiösen Bildung nicht einfach hinzugefügt werden soll oder gleichsam als Parallelspur mitläuft, sondern auf sie bezogen und mit ihr verbunden wird. Wir wollen den ganzen Menschen anregen, sich zu bilden. Schülerinnen und Schüler müssen natürlich Kompetenzen und Sachwissen erwerben, um ein gutes Abitur nach 12 oder 13 Jahren abzulegen. Junge Menschen, deren Leben glücken soll, brauchen aber die Befähigung zur Selbsterkenntnis, historisches Bewusstsein, moralische Sensibilität und Herzensbildung und die Erfahrung, in ihrer Einzigartigkeit nicht als Bedrohung von anderen wahrgenommen zu werden, sondern als Ergänzung und Bereicherung in einer Gemeinschaft, die sie trägt, in der sie sich engagieren und in der es auf „Leistung“ allein nicht ankommt.

Im Fachunterricht stehen Autonomie von Wissenschaft und Kultur, die Eigengesetzlichkeit der einzelnen Unterrichtsfächer mit ihrer Methodik und Didaktik außer Zweifel. Für uns ist aber die Auseinandersetzung mit den verschiedenen Bildungsbereichen in den Fächern Teil einer umfassenden Wahrheitssuche und das Bemühen um eine ganzheitliche Sicht der Wirklichkeit.

Im Religionsunterricht, der an unserer Schule bis zum Abitur allen Schülerinnen und Schülern erteilt wird, geht die persönliche Begegnung und der Dialog im Unterricht einher mit Aufbau und Diskussion von Glaubensinhalten.

Besonders und vor allem gehören zur Weitergabe der Frohen Botschaft Gottes Anleitung und Hilfestellung, die Beziehung zu Gott erleben zu lernen und zu pflegen, Angebote spiritueller Erfahrung der Glaubensvollzüge:
Zweiwöchentlich feiern die Schüler in ihren Jahrgangsstufen Gottesdienst. Sie lernen dabei verschiedene liturgische Formen kennen und können die Feiern aktiv mitgestalten. Gottesdienste mit der gesamten Schulgemeinde finden zu besonderen Anlässen des Schuljahres und entsprechend den liturgischen Festkreisen statt.

Ökumenische Gottesdienste ergänzen dieses Angebot und sind Ausdruck unserer Verbundenheit mit unseren evangelischen Weggefährten.
Die Wallfahrten nach Düsseldorf und Altenberg vertiefen einerseits die Grunderfahrung, mit Gott und zu ihm hin ein Leben lang unterwegs zu sein, gleichzeitig lassen sie durch die Vielfalt der Begegnungen, in Altenberg sogar zu vielen anderen katholischen Schulen unseres Bistums, das Erleben einer richtig großen christlichen Gemeinschaft zu.

Besinnungstage/Exerzitien werden für die Jahrgangsstufen 6 und 9 und 11 gehalten. Gottesbegegnung und Lebensbewältigung werden ausgehend von der Lebenswirklichkeit der Schüler/innen, in der Stufe 11 direkt im Anschluss an das Sozialpraktikum, angebahnt.

So hatten unsere Schülerinnen und Schüler, wenn sie das Suitbertus-Gymnasium verlassen, die Möglichkeit, sich mit der Frage nach dem Sinn des Lebens, mit ihren Zweifeln, aber auch mit der Antwort des Christentums,  mit der Begründung von Normen und Werten und mit der kirchlichen Gemeinschaft, zu der sie gehören, auseinanderzusetzen. Sie sollten die Bedeutung der Frohen Botschaft Jesu für ihr Leben verantwortet einschätzen können.
In einer Gesellschaft, für die der Glaube an Jesus Christus schon lange nicht mehr selbstverständlich ist, die unsere Botschaft immer wieder kritisch hinterfragt, bietet die katholische Schule das Forum, Antworten zu formulieren und zu leben. Dies zu erfahren ist die bestmögliche Form für junge Menschen, sich ein Urteil zu bilden. Für uns eine tägliche Herausforderung und eine große Verantwortung gegenüber der Botschaft Jesu, der Kirche und ganz besonders gegenüber unseren Schülerinnen und Schülern selbst, deren Leben glücken soll:  „Ich bin gekommen, dass sie das Leben haben und es in Fülle haben.“ (Joh 10,10b)